Karlheinz Paskuda

Beitrag zur Monsanto-Demo 21.05.16 in Frankfurt

Mein Name ist Karlheinz Paskuda. Ich bin in Mannheim in der politischen Bildungsarbeit tägig. Da ich bereits seit vielen Jahren immer wieder Veranstaltungen zu Monsanto durchführe, darf ich heute diesen Betrag hier halten.


Was ist das Besondere an Monsanto?

Die Stiftung Ethik & Ökonomie begründete 2006 die Verleihung ihres Negativpreises Black Planet Award mit der „aggressiven Unternehmensstrategie dieses Konzerns“, durch die „die profitbasierte Macht globaler Konzerne und die damit verbundenen ökologischen und sozioökonomischen Folgen besonders deutlich werden.“

Zunächst einige Grunddaten zum Unternehmensprofil:

Monsanto wurde 1901 in den USA gegründet und ging 1927 als Aktiengesellschaft an die Börse. Im Geschäftsjahr 2011 erzielte Monsanto bei einem Umsatz von 11,8 Milliarden US-Dollar einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betrugen ca. 1,4 Milliarden, d.h. 12 % des Umsatzes.
Neben gentechnisch verändertem Saatgut für Mais, Baumwolle, Soja, Raps und Zuckerrüben liefert Monsanto Obst- und Gemüsesaatgut in über 150 Länder.

2003 bereits besaß Monsanto 647 Patente, heute ca. 1100,  auf gentechnisch veränderte Pflanzen, mehr als jeder andere Gentechnikkonzern.

57 % der Umsätze macht der Konzern in den USA, 12 % in Europa/Afrika, 10 % in Brasilien.

Monsanto wurde immer wieder verklagt

Und Monsanto zahlte zum Teil hohe Beträge an Bußgeldern und Strafen. Vergleicht man diese Beträge mit Umsatz und Gewinn, sind es aber eher Beträge aus der Portokasse.

Klagen gegen Monsanto gab es bereits 1912, als Saccharin als Zutat für normale Lebensmittel verboten wurde.

Ehemalige US-Soldaten, die im Vietnamkrieg mit dem Entlaubungsmittel „Agent Orange“ in Berührung gekommen waren, das unter anderem von Monsanto produziert wurde, klagten. Es wurde ein Entschädigungsfonds von 180 Millionen US-Dollar eingerichtet. Vietnamesische Opfer von Agent Orange gingen hingegen leer aus, da die US-Gerichte Klagen ablehnten.

2003 wurde in Alabama ein Vergleich geschlossen, um Einwohner der Stadt Anniston zu entschädigen, die jahrelang mit Wissens Monsantos einem gesundheitsschädlichen Nebenprodukt der PCB-Erzeugung ausgesetzt waren. Insgesamt flossen 700 Millionen US-Dollar.
1,5 Millionen US-Dollar Bußgeld zahlte der Konzern, nachdem er mindestens 140 Regierungsbeamte Indonsiens bestochen hatte, um die Umweltrisikoabschätzung der Einführung der Baumwollsorte Bollgard zu unterlaufen.

Die weiteren Klagen erspare ich hier aus Zeitgründen...

Monsanto verklagte auch oft selbst:

So den bekannt gewordenen kanadischen Landwirt Percy Schmeiser. Monsanto hatte behauptet, er habe ohne Genegmigung gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto verwendet. Schmeiser wehrte sich heldenhaft gegen den Konzern: Seine Felder waren lediglich mit gentechnisch veränderten Saatgut konterminiert worden. Schmeiser gewann den Prozess und das Ehepaar Schmeiser wurde für ihren Kampf gegen Monsanto 2007 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

Zudem wird den Bauern per Knebelvertrag untersagt, dort, wo es gentechnisch noch möglich ist,einen Teil des Samens für die nächste Ernte zu verwenden. Dies wird vom Konzern mit einer Vielzahl von Mitarbeitern („GEZ“-artig) kontrolliert.

Selbstmorde in Indien

Monsanto wird zudem verantwortlich gemacht für unzählige Suizide in Indien.

Hintergrund ist die Entwicklung der sog. Terminator-Technologie. Gentechnisch wurde hier erreicht, dass das Saatgut nicht wieder zur Neuaussaat verwendet werden kann. Doch trotz aller High-Technologie gab es in Indien mit dem Genmais Missernten. Die Bauern waren wirtschaftlich nicht in der Lage, neues Saatgut zu kaufen. Traditionen erforderten bei Verschuldung den Selbstmord. Vandana Shiva, eine weltweit bekannte Umweltaktivistin, gehört zu den HauptanklägerInnen des Konzerns.

Aktuell:


Greenpeace stellte schon 2005 fest, dass MONSANTO mittlerweile weltweit einen Marktanteil von 90% aller angebauten transgenen Pflanzen hat. Greenpeace ist überzeugt, dass MONSANTO die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen will.

Wir hier dürfen aber mit unserem Kampf gegen MONSANTO auch nicht zum Wegbereiter der Konkurrenten werden: u.a. Bayer und die BASF sind in diesen Geschäftsfeldern aktiv.


 

Ab 2007 starten die BASF und Monsanto offiziell die Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung und Vermarktung in der Pflanzenbiotechnologie. Aus der offiziellen Vereinbarung zitiere ich: „ Jedes Unternehmen benennt mögliche Gene aus den verschiedenen Programmen, von denen die vielversprechendsten beschleunigt gemeinsam entwickelt und von Monsanto vermarktet werden sollen. Zudem beschleunigen sie die Entwicklung neuer Produkte und bringen mehr innovative Pflanzeneigenschaften in kürzerer Zeit auf den Markt. Die gemeinsamen Projekte werden von der Entwicklung bis zur Vermarktung in Verhältnis 50:50 finanziert. Die Produkte aus der gemeinsamen Entwicklung werden von Monsanto vermarktet. Die Unternehmen werden die Erträge aus den vermarkteten Produkten teilen: Monsanto erhält 60 Prozent und die BASF 40 Prozent der Nettoerträge.“

In diesen Tagen stand die Entscheidung der EU über Glyphosat an, was nichts anderes als das uns allen weltweit bekannte ROUND UP von Monsanto ist. Wir erinnern uns an den Skandal in Indonesien: Bestechung in großem Stil ist normale Monsanto-Politik. Wir müssen in Deutschland und auf der Welt sehen, wer hier mit Millionen-Beträgen Einfluss nimmt, um die Unschädlichkeit von Glyphosat zu belegen. Neben den einschlägigen Instituten der WHO ist mir besonders interessant das BfR -Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, das nicht nur im Fall Glyphosat eindeutig korrupt erscheint.
Noch spannender ist freilich der Konzentrations- und Spekulationsprozess in der Chemie-Industrie der letzten Monate und Tage. Die Monsanto-Aktie stieg schlagartig um 17% nach Übernahme-Gerüchten. Es wurde lanciert, dass Bayer Monsanto kaufen würde, gestern gab es dann das offizielle Übernahmeangebot. Das Unternehmen Monsanto wird am US-Markt mit ca 43 Milliarden US-Dollar bewertet. Mit dem fälligen Übernahme-Aufschlag müsste Bayer ca 50 Milliarden US-Dollar aufbringen. Deshalb fiel auch schlagartig die Bayer-Aktie um 8 %, eine börsentechnische Reaktion, die Monsanto-Aktionäre zusätzlich begünstigt..

 

Wahrscheinlicher ist aber mir immer noch auch aufgrund der bereits seit 9 Jahren stattfindenden Kooperation, dass die BASF übernimmt. Sie hat das Kapital und müsste „nur“ ca 20 Milliarden Dollar am z.Zt. günstigen Kapitalmarkt an Krediten aufnehmen.

 

Bayer und BASF sind in der internationalen Konkurrenz nach der Fusion in der USA von Dow Chemical und Dupont in Zugzwang. Es geht auch gegen den weiteren Konkurrenten Chemchina, der für 43 Milliarden Dollar den Schweizer Konzern Syngenta übernommen hat, und damit um die Weltmarktführerschaft.


 

Es kann somit jederzeit passieren, dass Monsanto einem der beiden deutschen Chemie-Konzerne gehört. Klar gibt es dann nach wie vor Aufgabenfelder, die strategisch geteilt werden: Monsanto wird weiter erst einmal den aussereuropäischen Markt betreuen. Die BASF und Bayer werden langsam die Gentechnik in Europa vorantreiben, weil sie die Vorbehalte in Europa kennen. Nicht zufällig erfolgt dieses Kaufgesuch auch zu Zeiten des Kampfes um TTIP: Die Konzerne sehen die Chance, dass TTIP ihnen den europäischen Markt auch für die Gen-Technik öffnet. Monsanto als US-Filiale des Bayer-Konzerns kann über TTIP das Recht erhalten, seine Gentechnik auch in Europa zu verbreiten. Ein gigantischer Markt mit riesigen Gewinnchancen. Wir müssen daher versuchen, Einfluss zu nehmen nicht nur auf Monsanto, sondern auf die europäische Chemie-Politik. Die Gegen-Lobby muss gestärkt werden.

In Mannheim heißt das u.a., die Jahreshauptversammlungen der BASF in Ludwigshafen zu nutzen. Mit einer Aktie (67 Euro) Eintrittsgebühr sind wir dabei. (Nächste JHV wie bei Bayer im Frühjahr 2017)

Es ist ein ungleicher Kampf gegen die Politik der Konzerne, ähnlich wie vor ca. 10 Jahren Percy Schmeiser gegen Monsanto. Wollen wir nicht, dass Gentechnik in Zukunft auch in Europa Einzug hält, ist neben dem Kampf gegen TTIP dieser Bewusstseinskampf gegen die europäische Chemie-Lobby unverzichtbar. Für alle, die sagen, wir schaffen diesen Kampf nicht, sage ich Euch: Percy Schmeiser hat gewonnen! Wir werden das auch schaffen!

Nachtrag vom 23.05.: Bayer bietet 63 Milliarden für Monsanto. Es wird ernst!

24.05.: Monsanto lehnt das Bayer-Angebot als zu niedrig ab. Das heisst: Der Poker geht weiter...Kommt jetzt doch die BASF ins Spiel? Kommen die deutschen Konzerne auf die Idee, gemeinsam zu kaufen? Was würde das Kartellamt dazu sagen? Ist das eine lang geplante Strategie? Vermutlich!
Oder gibt Bayer noch mehr? Das vermutet die Börse. Der Bayer-Kurs stagniert auf niedrigem Niveau...