Karlheinz Paskuda

Die Ad hoc Stellungnahme von Leopoldina und Mannheims Realitität

Für mich und für Euch wichtig: Eine Stellungnahme eines anerkannten unabhängigen Institutes, in dem in verständlicher Sprache erklärt wird, welche Schritte zur eventuellen Vermeidung einer Klimakatastrophe noch machbar sind. Aufgezeigt wird der Mix aus internationalen, nationalen und regionalen Massnahmen, der hier dringend notwendig ist. Aufgezeigt wird auch, wie teuer im Gegensatz zu wirksamen Massnahmen das bequemere "Business as usual" wird: Für jetzt, aber vor allem für zukünftige Generationen. Diese Stellungnahme ist daher inhaltlicher Nährstoff für die Argumentation von "Fridays for Future" und alle Menschen, die ebenso erkannt haben, dass die Massnahmen dringend sind: Dringend jetzt und nicht erst 2038 (Kohleausstieg) bzw. 2050 (CO2-Neutralität). Ihr könnt zudem überprüfen, wie (wenig) weit wir in Mannheim sind: Der Kohleausstieg ist in weiter Ferne, erkennbare Anstrengungen sind nicht erkennbar, diese Zeiträume zu verringern. Die Stadt wird nicht annähernd umgebaut; die in der Studie an mehreren Stellen geforderten sicheren und breiten Radwege gibt es schlicht nicht und Mannheim ist weiter uneingeschränkt Stadt der individuellen PKW-Mobilität. Weite Teile der einflussreichen stadtbeherrschenden reichen Menschen leisten Widerstand und bestehen auf ihrem "Recht", mit ihren SUVs noch mehr Fläche zu nutzen. Aber zumindest noch viereinhalb Jahre sind die Mehrheiten andere: Es wäre Aufgabe der Grünen, SPD und Linke mitzuziehen in eine ökologische Wende, die jetzt beginnen muss. Jetzt!

Zu Leopoldina:

"Die 1652 gegründete Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist mit ihren rund 1.600 Mitgliedern aus nahezu allen Wissenschaftsbereichen eine klassische Gelehrtengesellschaft. Sie wurde 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. In dieser Funktion hat sie zwei besondere Aufgaben: die Vertretung der deutschen Wissenschaft im Ausland sowie die Beratung von Politik und Öffentlichkeit."

Zum Ad hoc-Gutachten für die Regierung:

"Die Leopoldina unterstützt die in aktuellen Expertengutachten enthaltene Forderung nach einem einheitlichen und sektorenübergreifenden Preis für Treibhausgasemissionen. Der anfängliche CO₂-Preis müsse dabei erheblich höher liegen als der aktuelle Preis im europäischen Emissionshandel, der momentan bei 25 Euro/t CO₂ liegt. Zudem solle der Preis in den kommenden Jahren schrittweise steigen. Die Politik sei gefordert, die gewählte CO₂-Bepreisung regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf nachzujustieren. Das Instrument der CO₂-Bepreisung müsse als unverrückbare klimapolitische Strategie erkennbar sein.

In der Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass ein CO₂-Preis alleine jedoch nicht ausreicht, um die Klimaziele 2030 zu erreichen. Dafür sollten unter anderem die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung transparent reinvestiert werden in eine kohlenstoffarme Infrastruktur und Allgemeingüter, in die relative Absenkung des Strompreises und in den sozialen Ausgleich in Form einer „Klimadividende“. Ziel sei es, Anreize für ein klimaschützendes Wirtschaften und Verhalten zu setzen. Klimaschützendes Verhalten könne dann sogar zu einem finanziellen Gewinn für Konsumentinnen und Konsumenten führen, vor allem bei niedrigeren Einkommensgruppen."

den Vorabdruck des Gutachtens findet Ihr hier:
https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/klimaziele-2030-wege-zu-einer-nachhaltigen-reduktion-der-co2-emissionen-2019/