Karlheinz Paskuda

Ist die GBG-Mannheim noch reformierbar?

Was in 90 Jahren GBG-Geschichte schlicht in Vergessenheit geriet: Die Wohnungsbau-Gesellschaft GBG in Mannheim ist eine 100%-ige Tochter der Stadt. Das heißt: Sie gehört uns allen!
19.000 Wohnungen, jährlich ca. knapp 120 Millionen Euro Mieteinnahmen, ca. 50 – 60 Millionen Euro Investitionen, all das tätigt diese Gesellschaft in einem zunehmend falschen Verständnis, ein „ganz normales“ Wohnungsbau-Unternehmen „wie jedes andere“ zu sein.  Daraus folgen dann intransparente Entscheidungen, getragen von einem Aufsichtsrat, der nur im Geheimen tagt: Es darf über nichts (!) aus diesem Aufsichtsrat berichtet werden, nicht über Inhalte, nicht über Abstimmungsverhalten….
 
Vorsitzender im Aufsichtsrat ist wie in vielen anderen Gesellschaften OB Kurz (SPD) und auch alle anderen Parteien sind vertreten. Was sie dort machen, bleibt geheim.
Zunehmend betätigt sich dabei die GBG in Baubereichen, die nicht zur Verbesserung der Wohnungssituation einkommensschwacher Bürger*innen beiträgt. Es begann mit dem Centro Verde und wäre da beinahe gescheitert: Häuser mit 140 qm zu stolzen 450.000 Euro verkauften sich erst mit dem Betongeld-Boom.
Nun war der Bann gebrochen: Die GBG steigt zunehmend ein in den Bau von Häusern für Besserverdienende: Mit Einfamilienhäusern auf dem Waldhof, in Friedrichsfeld oder mit Neubauten am Adolf-Damaschke-Ring 22-26. So wurden Konzepte entwickelt, in Stadtteilen, die keine Aufwertung brauchen, hochwertigen Wohnraum zu schaffen und dafür alten Bestand abzureißen. Mit gleichen Konzeptionen in Feudenheim und in der Neckarstadt – Ost: Teilsanierung, Rest Abriss und hochwertiger Neubau. Dass die GBG dabei zum Treiber der Gentrifizierung in diesen Stadtteilen wird, will sie nicht erkennen.
Hinzu kommen: Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der GBG für 27 Millionen Euro und das 60-80 Millionen-Projekt neues technisches Rathaus im Glücksteinviertel.
 
Passend für die GBG: Der alte Geschäftsführer ging in die Rente. Geholt werden konnte mit Frings ein Technokrat, der mit ungeheurer Kaltschnäuzigkeit und Ignoranz seine Projekte durchzieht. Soziales ist nicht sein Ding: Proteste werden abgebügelt und auch juristisch verfolgt.
 
GBG-Mieter*innen sehen zunehmend keine Chance, Einfluss zu nehmen: Ihnen bleibt die GBG-eigene Beschwerdestelle. Hier sind sie auf das goodwill der GBG angewiesen.
 
Was die GBG nicht mehr produziert: Wohnraum für ärmere Menschen. Sie baut gerade mal 200 sog. „preiswerte“ Wohnungen auf Benjamin-Franklin. Preiswert nennt sie Wohnungen für ca 7,50 pro qm. Das sind aber Beträge, die es einem Hartz IV-Empfänger unmöglich macht, dort eine Wohnung zu suchen. 7,50 bei Neueinzug, das zahlt das Mannheimer Sozialamt nicht. Für Menschen mit wirklich wenig Geld bleiben nur die ganz alten Wohnungen, meist am Stadtrand, einige noch in Wohlgelegen. Wohnungen, die auch heute noch keine Heizung haben. Diese muss man dann selbst besorgen und einbauen (lassen), was gerade ärmeren Menschen schwerfällt.
 
In einer mittleren Großstadt eine Wohnungsbaugesellschaft fern jeder gesellschaftlichen Einflussnahme nach eigenem Gutdünken werkeln zu lassen, das ist Stoff für Frust: Die da Oben machen, was sie für richtig halten. Es ist sicher auch Wasser auf die Mühlen der AfD. Die Wahlergebnisse im GBG-Bestand verdeutlichen das eindeutig.

In Berlin ist mittlerweile ein Mieterbeirat in der Landesverfassung verankert. In Mannheim begnügt man sich mit einem Aufsichtsrat im Parteienproporz, der im Geheimen tagt. Das ist auf Dauer untragbar!
Wir brauchen eine Wohnungsbau-Gesellschaft, die wieder dem Allgemeinwohl dient, die sozialen Wohnungsbau betreibt und dessen Entscheidungen von allen Bürger*innen nachvollzogen werden können. Wir brauchen eine größtmögliche Transparenz.
 
Es wäre Aufgabe der Gemeinderatsparteien, allen voran von OB Kurz, die GBG zum 100. Geburtstag im Jahr 2026 wieder aus ihrer Schieflage zu holen und zu einen sozialen, transparenten Wohnungsbau-Unternehmen zu machen.