Karlheinz Paskuda

Unsoziale Aufwertung

Nach der kurzen Hausbesetzung im Jungbusch folgte die Diskussion um die Gentrifizierung des Stadtteils. "Es konnte ja nicht so bleiben, abgewirtschaftet, Elendsquartier...". Richtig. Deshalb war auch eine gezielte Aufwertung dieses Stadtteils kein falscher Schritt. Die Stadtplanung hat das intensiv gemacht mit Musikpark, Popakademie, Studentenwohnheimen und C-Hub, etc. Nur: hat sie wirklich nicht geplant, wie diese Aufwertung sich auswirkt? Hat sie wirklich nicht bedacht, was mit der ärmeren Bevölkerung des Jungbusches passiert? Oder noch schlimmer: muss vermutet werden, dass eine Verwaltung mit einem sozialdemokratischen Baubürgermeister einfach in Kauf genommen hat, dass durch diese "Aufwertung" und die folgende Gentrifizierung der Austausch der Bevölkerung in Kauf genommen wird? Kann es sein, dass bewusst in Kauf genommen wurde, dass ärmere Menschen den Stadtteil verlassen müssen, hinausgedrängt werden?
Jedenfalls wurden noch zu Beginn des Prozesses, also vor ca 15 Jahren, GBG-Häuser im Jungbusch verkauft. Man könne Streubesitz schlecht verwalten, hiess es. Die umgekehrte Politik wäre richtig gewesen, hätte man die Bevölkerung des Jungbusches vor den negativen Folgen der Gentrifizierung bewahren wollen. Damals gab es Häuser für unter 100.000 Euro, die heute im Bieterwettbewerb für 800.000 Euro weggehen. Damals hätte eine Planung, die auch soziale Belange im Blick gehabt hätte, aufkaufen und sanieren müssen. Die Mieten wären auch bei der GBG nach der Sanierung gestiegen: Von 3 auf 5-6 Euro. Für dann ganz andere Wohnungen, in denen Familien gut leben können. Jetzt steigen die Mieten auf 10 bis 12 Euro, unerschwinglich für ärmere Familien : Sie müssen den Stadtteil verlassen..
Jetzt die Fehler der Stadtplanung korrigieren, wird teuer. Jetzt konkurriert die Stadt mit Hildebrand&Hees und sicher bald mit weiteren Investoren. Daher ist es zunächst einmal  wichtig, das Haus Hafensstr. 66 zu einem Wohnhaus umzugestalten: Es gehört seit 6 Jahren der Stadt, steht leer und verkommt.
Und um eine große Fläche wird gerade geschachert: Das Gelände am Kai ab Tankstelle aufwärts. Es gehört dem Hafen und damit dem Land. Die Kult-Tanke dort soll nun dort doch nicht abgerissen werden, aber bald das globige Gebäude daneben bis hin zu einem Autohändler.
Die letzte Chance für preiswerte Wohnungen: Mit mühsamen Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg, das letztlich dort agiert. Die GAG Ludwigshafen hat unlängst mit Unterstützung des Landes Rheinpland-Pfalz preiswerte Neubau-Wohnungen für Kaltmieten unter 6 Euro erstellt. Warum sollten unsere Stadtverwaltung nicht im Zusammenspiel mit den Mannheimer Landtagsabgeordneten in Verhandlungen mit dem Land ein ähnliches Ergebnis erzielen können?
Das 12-Punkte-Programm, gerade im Gemeinderat beschlossen, verpflichtet zur Schaffung auch preiswerten Wohnraums. Es beinhaltet die Unterstützung von alternativen Wohnmodellen und sollte dringend in der Hafenstrasse 66 umgesetzt werden. Die GBG wird in diesem 12-Punkte-Programm aufgefordert, mehr als dieses eine (!) Haus in der Beilstr 19 aufzukaufen und zu sanieren. Zumal nicht alle Häuser in so schlechtem Zustand sind wie dieses eine. Und die Stadtplanung hat mit dem Gelände am Kai die wohl einmalige Chance, Fehler der letzten 15 Jahre zu korrigieren. Wenn sie das ernsthaft will...
Leider gibt es noch keine Partei in Mannheim, die da richtig Druck macht. Das wird wohl erst die Mieterpartei machen können, wenn sie ab 2019 im Gemeinderat ist. Hoffen wir, dass bis dahin das Gelände am Kai nicht wieder mal an einen "Großinvestor", also an einen Immobilienhai, verschachert wird. Wenn der dann dort 100 Wohnungen baut und davon gemäß Quote 30 davon preiswert, nach Mannheimer Definition "nur" 7,50 Euro kalt kosten, hilft das dem Jungbusch nicht mehr viel. Hier muss die GBG stattdessen 100 wirklich preiswerte Wohnungen erstellen!