Karlheinz Paskuda

Wohnungssuche: Immer mehr Menschen ohne Chance

Nicht nur private Vermieter_innen, auch alle Genossenschaften und sogar die GBG suchen sich ihre Mieter_innen: Stets ist das geregelte Einkommen gefragt und dort das dreifache Nettoeinkommen der Warmmiete. Dabei fallen immer mehr Menschen durch dieses Raster: viele prekäre Jobs, geringe Erwerbsunfähigkeitsrenten, selbst 8,50 oder gar 10,00 Euro Mindestlohn führen nicht dazu, dass netto dieser dreifache Lohn bescheinigt werden kann. Kostet die Wohnung warm 500,- Euro wie fast jede preiswerte Wohnung (mindestens !), fallen alle Interessent_innen unter 1500,- Nettoeinkommen raus. Die Gartenstadt-Genossenschaft erklärt das am Telefon ganz klar: "Wir sind schon länger nicht sozial, die Gemeinnützigkeit wurde uns schon länger aberkannt. Wenn Sie etwas Soziales wollen, gehen Sie zur GBG."  Und die GBG verfährt genau so. Sie ist zwar verflichtet, aufgrund der Übernahme einiger Verpflichtungen des früheren Wohnungsamtes Mieter_innern notfalls unterzubringen; dies tut sie mit Einfachswohnungen am Rande der Stadt. Wer sich aber "normal" bewirbt, z.B. für die Neckarstadt, für den gelten ebenso diese Regeln, er kommt bestenfalls auf die gaaaanz lange Warteliste...
Deshalb wird Wohnungspolitik so wichtig: Die Geschäftspolitik der GBG muss transparent werden. Sie hat 20.000 Wohnungen und ist damit Top-Player: wenn sie preiswerten Wohnraum abreißt und statt dessen Centri Verdes baut, ist das katastrophal. Und die Abführung von jährlich 1,5 Millionen Euro an den Stadthaushalt muss problematisiert werden: Wäre das Geld nicht sinnvoll für den sozialen Wohnungsbau einsetzbar?
Und die Genossenschaften: Sie verwalten in der Regel nur noch "mit breitem Arsch"  ihren Bestand. Wie nehmen wir da Einfluss? Wie können wir das ändern? Z.B. mit der Förderung der Gründung neuer Kleingenossenschaften? Ja, das kann ein Weg sein! Daneben gilt es, neue Wege zu fördern: z.B. das Miethäusersyndikat, nach dem auf Turley drei Häuser dem spekulativen Wohnungsmarkt entzogen werden.